Leben und arbeiten in einem fremden Land – Umeå/Schweden

Nachdem die ersten Wochen vergangen sind, haben wir uns langsam eingewöhnt. Auf der Arbeit wurden wir in die Arbeitsgruppe integriert und dürften bereits selbstständig an Projekten arbeiten. Als vollwertige Mitarbeiter angesehen, nehmen wir an Meetings teil und unterstützen andere bei ihren Aufgaben.

Unsere Teams und Arbeit an der Universität Umeå

Die Arbeitsgruppe, in die Marlyn aufgenommen wurde, befasst sich mit dem angeborenen Immunsystem und mit den Signalwegen, die stattfinden, wenn im Körper eine Entzündung vorliegt. Genauer wird an dem Mechanismus geforscht, der die Regulation der PRR- Signalwege (Pattern Recognition Receptors) steuert, sowie an dem Scheitern solcher Regulationen, die zu Entzündungen und zur Verschlechterung der antimikrobiellen Wirtsverteidigung führen. PRR (Pattern Recognition Receptors) spielen dabei eine große Rolle, denn durch diese Rezeptoren werden Pathogene (krankmachende Bakterien, Pilze und Protisten ) erkannt und entsprechende Signalwege eingeleitet. Durch die Aktivierung von PRR wird die Produktion von Zytokinen und Typ I Interferone initiiert, womit die Abwehr sofort beginnt. Normalerweise schützen die Immunreaktionen den Wirt vor dem Befall mit Pathogenen, doch manchmal kann die Immunantwort auch zur Selbstverletzung führen. Eine Sepsis zum Beispiel führt nicht unbedingt durch das Eindringen pathogener Erreger zum Tod, sondern auch durch die zu starke Immunreaktion des Körpers auf die Infektion. Daher ist es von Bedeutung, dass eine Balance zwischen der Verteidigung des Wirts gegen Pathogene und dem Schutz vor Selbstverletzung besteht. Dafür müssen die Signalwege, die bei einer Infektion stattfinden, eng reguliert werden.

Jessie`s Arbeitsgruppe beschäftigt sind im Großen und Ganzen mit Hefen und deren Metabolismus. Genauer gesagt versucht man herauszufinden wie Translationsregulation von statten gehen und welche Proteine sie beeinflussen. Hierbei erforscht man auch den Einfluss von sogenannten Polysombodys, welche aus konservierten RNA bestehen und an verschieden Orten in der Zelle vorkommen.

Die Freizeit nutzen wir, um die Stadt und die Natur in und um Umeå zu erkunden. Ob eine Tour mit dem Fahrrad um den See Nydalasjön, am Fluss Umeälven entlang in die Stadt oder an die Ostküste zum Bottnischen Meerbusen. Die Fahrradwege und -brücken sind gut zu befahren und vor allem im Sommer werden sie gern genutzt.

Weiterhin haben wir die Möglichkeit wahrgenommen ein Auto zu mieten. Damit konnten wir dann einige der Nationalparks im Norden erkunden. Unter anderem besuchten wir das Naturschutzgebiet Björnlandet. Weit weg von allem konnte man hier die pure Natur erleben. Einem Wanderpfad gefolgt erreichten wir die Spitze eines Berges und konnten einen wundervollen Ausblick auf den naheliegenden See genießen.

Ausflug zum Nationalpark Björnlandet und Elchfarm in Bjurholm

Nationalpark BjörnlandetDer Nationalpark war sehr schön gelegen. Dennoch waren wir enttäuscht keinem wildlebenden Tier begegnetet zu sein. Auf dem Rückweg begaben wir uns zu einer Elchfarm, um wenigstens hier ein Tiererlebnis zu haben. Auf dem Weg dort hin begegneten wir schon einer Rentierherde, die sich mitten auf einer Seitenstraße aufhielt. Aufgescheucht von unserer Anwesenheit begaben sie sich direkt auf die Hauptstraße und spazierten dort ganz selbstverständlich vor unserem Auto her. Elchfarm in Bjurholm1Doch nicht lange und sie fühlten sich bedrängt, bogen über einen Hügel ab zurück in den Wald, wo sie uns erstaunt ansahen. Die Fahrt über Schotterwege zum Nationalpark hatte sich also doch noch gelohnt. Angekommen an der Elchfarm in Bjurholm, begegneten wir hautnah ausgewachsenen Elchen, welche eine Schulterhöhe von bis zu 2,30 Meter erreichen können. Direkt neben ihnen stehend konnten wir die gutmütigen Tiere anfassen und füttern.

Jungtiere-Elch StreichelzooIn einem anliegenden Gehege gab es eine Art Streichelzoo, indem sich vier Jungtiere befanden. Erholt von den vielen Streicheleinheiten der Besucher lagen diese entspannt im Gras.

Ein ereignisreicher Tag ging zu Ende.

Fähranleger zur Insel Holmön

Am nächsten Tag nutzten wir nochmal das Auto und fuhren zu dem Fähranleger zur Insel Holmön, etwas nördlich von Umeå. Die Fähre fährt im Sommer 5-mal am Tag, ist kostenlos (dank der fleißigen schwedischen Steuerzahler) und da es ein schöner Tag war, war sie gerappelt voll. Nach einer ¾ Stunde Schifffahrt landet man dann auf der Insel. Kirche

Hier gibt es passenderweise ein Boot-Museum und einen Leuchtturm. Man kann sich auf der Insel im örtlichen Kiosk auch Fahrräder ausleihen aber wir erkundeten die Insel zu Fuß, weil uns gesagt wurde, dass es hier schöne Wanderwege gäbe. Auf der Suche nach diesen gingen wir durch das Dorf, vorbei an der historischen Windmühle und der örtlichen Kirche. Alle Häuser sehen wieder aus wie aus einem Astrid Lindgrens Roman. Es stellte sich heraus, dass die “gut ausgeschilderten” Wanderwege nun doch nicht so gut waren und wir drehten um.

OstseeWir wollten uns den Leuchtturm anschauen und, da es noch nicht zu kalt war, traute sich Jessie auch ins Wasser.

Nach einem ganzen Tag unterwegs fuhren wir müde und glücklich wieder zurück.

Umeå ist sehr weitläufig und daher brauch man hier zwingend ein Fahrrad. Es gibt hier einen riesigen Second-hand Fahrradmarkt und einige schwarze Schafe darunter, also Augen auf beim Fahrradkauf.  Wir kauften uns beide ein Fahrrad bei seriös aussehenden Menschen und bis jetzt gab es noch keine Beschwerden. Glücklich über unsere neue Errungenschaft musste diese sofort auf Herz und Nieren getestet werden, mit einer 50km Fahrradtour zu einem der schönsten Strände der Umgebung.

Ostsee1Wir besorgten uns noch Reiseproviant auf dem Bauernmarkt, welcher hier jeden Samstag im Sommer stattfindet (alles aus der Region, wurde uns versichert) und dann ging es los. Jessie hatte vorher über Google – Maps eine Strecke rausgesucht und wir fuhren durch wunderschöne Dörfer, vorbei an den typischen roten Schwedenhäusern und an tollen Bauernhöfen, bei denen man glaubt das Michel gleich herausgelaufen kommt. Endlich angekommen am Strand staunten wir nicht schlecht. Man fühlte sich nicht mehr wie in Schweden sondern eher wie an einem Strand im Süden. Hier spielten die Leute Volleyball, aßen Eis und hatten anscheinend alle noch Hochsommer, während wir schon zitterten. Trotz Kälte taten wir es ihnen gleich und das Wasser war herrlich. Auf dem Weg zurück wollten wir eine andere Strecke nehmen, da wir auf dem Hinweg eine vielbefahrene Landstraße nehmen mussten. Wir fuhren mehr oder weniger quer Feld ein. Auf alten Waldwegen ging es an versteckten Seen und kleinen Ferienhäusern vorbei. Leider haben wir wieder keine freilaufende Elche gesehen. Wo stecken die bloß?

Das Semester beginnt

Oktober-Semesterbeginn: Da nun langsam die Studien-Semester anfangen und die Studenten scharenweise über die Stadt einfallen, hört man mehr und mehr von Partys in der Nachbarschaft und laut grölende Leute im Viertel. Marlyn bekam eine neue Korridor-Mitbewohnerin und wir wurden zu einem geselligen Abend eingeladen unter internationalen Studenten. Durch diese Gruppe hatten wir das Glück, dass wir in das Buddy-Programm gerutscht sind. Das Programm besteht im GrundeBildersammlung daraus, dass sich einheimische Studenten (Buddys) um die internationalen Erstis kümmern und sie in landestypischen Sitten einweisen. Dadurch waren wir bei einigen Aktionen dabei wo man noch mehr Menschen von der ganzen Welt trifft. Außerdem organisieren sie einige Aktionen, wie zum Beispiel ein schwedisches Dinner (Buddys kochen für die uns typisch schwedischen Gerichte) mit Köttbullar und Fisch.

Durch das Buddy-Programm lernten wir viele tolle Leute kennen und machen gemeinsam BBQ am See um dann nachts die wunderschönen Polarlichter zu beobachten.

Außerdem geht es sportlich zu bei einigen anderen Gelegenheiten, wie zum Beispiel beim gemeinsamen Volleyball spielen oder beim landestypischen Brennball.

Alles in Allem eine tolle Truppe.

Das Västerbotten Freilichtmuseum

Västerbotten MuseumNatürlich sind und waren wir hier in unserer Freizeit nicht nur sportlich aktiv . Wir haben auch viel über Land und Leute aber auch etwas über die Geschichte der Region erfahren.

Dazu haben wir das örtliche Västerbotten Museum, welches unter anderem ein kostenloses Freilichtmuseum ist, besucht. Es handelt sich bei diesem Museum um eine große Fläche, die sich auch zum Spazierengehen eignet. Man kann hier gut die Seele baumeln lassen und die Entwicklungsgeschichte von der Besiedelung Schwedens bzw. die Entwicklung von Orten und Landwirtschaft sehen.

In der Innenlage schlendern wir durch die verschiedenen Jahrzehnte der Entwicklung Umeås und Umgebung. Angefangen bei den Ureinwohnern (die Samen) bis hin zur heutigen Zeit.

Im Freilichtteil haben wir ein nachgebautes altes schwedisches Dorf mit begehbaren Häusern und Ställen bewundern können. Zudem gibt es hier noch einen samischen Teil, wo alte samische Hütten nachgebaut sind. Hier durften wir zum History Festival auch Rentierfleisch probieren (schmeckt wie ganz normales Rind). In einer weiteren Ausstellung wurde uns die Geschichte des Robbenfangs erzählt und wir konnten wieder eine Windmühle bestaunen.

Unser Fazit: „Auf jeden Fall sehenswert!“

Nationalpark Skuleskogen1

Nationalpark Skuleskogen

Wir suchten uns eine etwa 25 km lange Wanderstrecke aus und das war genau richtig. Die Tour führte immer zum Wasser hin und mit jedem Meter durch tiefe Wälder, konnten wir mehr vom Meer sehen. Am Anfang ging es wieder über Moore und Sümpfe. Da aber überall Bretter und Brücken waren, kamen wir einigermaßen trocken voran.

Nationalpark Skuleskogen2Später sind wir noch das Hochplateau erklommen, von wo aus wir einen herrlichen Rundumblick hatten. Die bekannten Highlights des Parks sind aber die Schluchten. Rechts und links ragen meterhohe, kerzengerade Wände in die Höhe und eigentlich soll man hier eine besondere Flechte finden, (Engelshaarflechten) welche nur hier wachsen können. Da die Luftfeuchtigkeit und das Klima genau passend sind. Hütten im Nationalpark Skuleskogen

Das letzte Stück zum Meer ist dann noch mal beschwerlich, da man steile Geröllfelder herunterklettern muss. Angekommen ist der Blick aber traumhaft. Hier gibt es Sandstrände und was besonders schön ist, überall kleine Hütten mit Betten und Kaminen. Diese sind auch wieder kostenlos und immer offen, man muss sie nur sauber wieder zurücklassen. Außerdem gibt es wie überall in Schweden Feuerholz, welches die Region kostenlos zur Verfügung stellt. Leider waren wir nicht für eine Übernachtung vorbereitet und so blieb es bei einer Tagestour, aber mit dem Verspechen wiederzukommen.

Das Leben in Umeå/Schweden

Wir haben festgestellt, dass das eigentlichen Leben in Umeå, dem in Göttingen/Deutschland sehr ähnlich ist. Die Städte sind fast gleich groß und sind bzw. haben alles auf Studenten ausgelegt. Es gibt viele Second-hand Läden und kostenlose Freizeitaktivitäten.

Fast jeden Tag gibt es hier einen Flashmob oder Ähnliches und an jeder Ecke eine Burgerbude oder einen Imbiss. Beim Autofahren bemerkten wir, dass die schwedischen Autofahrer im Vergleich zu den Deutschen wesentlich entspannter sind. Selbst Freitagnachmittag in der Rushhour wird nicht gedrängelt oder gehupt.

Im Allgemeinen sind die Schweden sehr viel entspannter, freundlicher, offener und sie sprechen fast alle beneidenswert gutes Englisch (sogar die alten Herrschaften). Wir versuchen davon so viel wie möglich mitzunehmen.

Fast alles kann man hier mit Kreditkarte bezahlen, vom Stand auf dem Wochenmarkt bis hin zum Busticket. Meist geht es auch gar nicht anders (Schweden plant schon länger alles Bargeld abzuschaffen). Das mit der Bezahlung ist hier auch etwas anders. Kaum einer hat mehr Bargeld. Zudem gibt es zwar Kommabeträge (199,99kr= rund 21 Euro) aber diese werden bei Barzahlungen gerundet, da es keine Münzen dafür gibt sondern nur 1kr, 2kr, 5kr, 10kr. Höhere Beträge gibt es nur als Schein (als wir das erste Mal Geld abgehoben haben, war es seltsam einen 1000kr Schein in der Hand zu haben).

Nun ist die Hälfte schon wieder um und die Tage werden merklich kürzer und definitiv kälter. In den nächsten 2 ½ Monaten wollen wir noch eine Hundeschlittentour machen und die letzte Woche hier in Schweden in Stockholm verbringen. Auf diese kommenden Erlebnisse freuen wir uns schon sehr und der Gedanke daran hält uns warm.

Wir hoffen unser Bericht hat Euch gefallen.

Jessie und Marlyn

Die Stadt der Birken – „Umeå – Schweden“

Wir sind zwei Biologielaborantinnen, die einen Teil ihrer Ausbildung in Umeå – Schweden an der dortigen Universität machen. Heute berichten wir Euch von unserer Reise nach Umeå und die ersten Tage in Schweden.

Das Abenteuer begann bereits am Flughafen in Düsseldorf, ohne Ansage wurde unser Gate geändert. Zum Glück haben wir dies noch rechtzeitig herausgefunden.

Mit etwas Verspätung ging es dann nach Stockholm. Begleitet von einigen Turbulenzen konnten wir dann beim Anflug die Schönheit Schwedens betrachten. Unter anderem bekamen wir den Bottnischen Meerbusen zu sehen.

Unseren Aufenthalt in Stockholm verbrachten wir an dem hübsch eingerichteten Flughafen. Geld wurde gewechselt und etwas Essen zur Stärkung gekauft.

Beim zweiten Flug nach Umeå verging die Zeit sehr schnell. Nach rund einer Stunde sind wir an dem kleinen, überschaubaren Flughafen angekommen. Verlaufen konnte man sich hier nicht.

Jessie’s Betreuer wartete bereits auf uns, um uns zu unseren Unterkünften zu fahren.

Die Stadt der Birken - Birken haben hier eine besondere Bedeutung.

Die Stadt der Birken – Birken haben hier eine besondere Bedeutung.

Koffer aufgeladen ging es mit dem Auto auf kurzem Weg durch die grüne Birkenstadt.

Nach einem Großbrand 1888 musste die Stadt wieder neu aufgebaut werden. Das Feuer konnte sich damals so schnell ausbreiten, weil die Holzhäuser dicht an dicht standen. Erst eine Reihe Birken hatte den Brand gestoppt – ausgewachsene Birken trinken pro Tag bis zu 400 Liter Wasser, vieles davon sammelt sich in Ästen und Blättern. Beim Wiederaufbau beschloss man daher, viel Platz zwischen den Häuserblocks zu lassen und in jeder der breiten Straßen zwei Reihen Birken zu pflanzen. Seitdem nennt sich Umeå „Die Stadt der Birken“.

Um einen ersten Überblick zu bekommen, wurde uns gezeigt, wo sich die Universität befindet. Nicht weit entfernt davon lagen auch schon unsere Unterkünfte. Wie sich später herausstellte, nur 15 Minuten Fußweg entfernt.

Am Tag der Ankunft wurden noch die wichtigsten Dinge im naheliegenden Supermarkt eingekauft und der Koffer ausgepackt.

Am Mittwoch hatten wir Zeit die Kulturstadt Umeå kennenzulernen und ein paar Dinge zum Einrichten der Zimmer zu besorgen. Diese befanden sich auf einem Korridor in einem Studentenwohnheim und waren lediglich mit den nötigsten Dingen wie Bett, Schrank und Lampen ausgestattet. Um es gemütlicher zu haben, hielten wir Ausschau nach Teppich und anderen Dekorationen.

Die Stadt war zu Fuß in etwa einer dreiviertel Stunde zu erreichen. Um schneller dorthin zu gelangen, haben wir uns gleich in der nächsten Woche Fahrräder gekauft. Ersatzweise sind aber auch die Busverbindungen recht gut.

Schnell ist uns aufgefallen, dass man in Schweden alles mit Karte bezahlen kann. Selbst das Busticket wird so erworben.

Umeå ist eine kleine, schöne Stadt, durch die der Fluss Umeälven fliest. Alle sprechen perfektes Englisch und sind sehr offen gegenüber Ausländern.

Nachdem wir ein paar schöne Dinge eingekauft hatten, haben wir angefangen unsere Zimmer damit einzurichten. Man fühlte sich gleich viel wohler.

Am nächsten Tag ging es dann zur Universität. Hier wurden wir am Eingang abgeholt und anschließend herumgeführt. Uns wurden unsere Labore und Aufenthaltsräume gezeigt. Letztere sind sehr gemütlich eingerichtet und besitzen von mehreren Sofaecken über Mikrowellen bis hin zum Kaffeeautomaten alles was man benötigt, um seine Pausen zu genießen.

Nach der Rundführung durften wir schon teilweise selbstständig im Labor arbeiten.

Zurück im Studentenwohnheim konnten wir unsere ersten Eindrücke, auch Dank des guten Internetanschlusses im bereits wohnlicher gewordenen Zimmer, unseren Freunden und Familien mitteilen.

Wir sind bereit für einen spannenden, ereignis- und lehrreichen Aufenthalt in Schweden!

Jessie und Marlyn

Mobilitätspass für Globetrotter-Azubis

Zehn Auszubildende der BBS II Göttingen haben in den Bereichen Biologie und Gestaltungstechnik zwischen sechs Wochen und sechs Monaten ein Auslandspraktikum absolviert.

Göttingen. In einem feierlichen Festakt an den Berufsbildenden Schulen II in Göttingen übergab der GFT-Erasmus e.V. die Zertifikate des Europass Mobilitätsnachweises an vier jetzt Biologielaborantinnen, eine Gestaltungstechnische Assistentin und  fünf angehende Gestaltungstechnische Assistenten. Gefördert von Erasmus+ haben vier Auszubildenden in der zweiten Hälfte 2014 an einer zwei oder vier ½ monatigen Fortbildungsmaßnahme in Schweden, eine fertige Gestaltungstechnische Assistentin an einer sechs monatigen Fortbildungsmaßnahme in einer englischen Werbeagentur und fünf angehende Gestaltungstechnische Assistenten an einer sechswöchigen Fortbildungsmaßnahme in unserer Partnerschule in Norwegen teilgenommen.

gemeinsames Gruppenfoto: Jennifer L., Alina G., Jonas F., Jan S., Kai C., Luisa B. Maren M. und Johanna H.

gemeinsames Gruppenfoto: Jennifer L., Alina G., Jonas F., Jan S., Kai C., Luisa B. Maren M. und Johanna H.; Bild (c) Andreas Vohl

Am 08. Mai, anlässlich des kommenden Europatages, wurde den Teilnehmern der Europass Mobilität und weitere Zertifikate der europäischen Partner verliehen. Ines Puschmann Abteilungsleiterin für Naturwissenschaften und Druckabteilung begrüßte stellvertretend für die Schulleitung die geehrten Azubis, alle Gäste und Interessierte zur Mobilitätspass-Verleihung.

Der Göttinger Integrationsbeauftragte Isa Sandiraz fand zu diesem Anlass passende Worte. Er würdigte die Schüler und jungen Berufseinsteiger für ihren Mut und ihr Engagement.  Sandiraz wies darauf hin, wie wichtig Integration, Migration und interkulturelle Kompetenz für Deutschland sei. Er berichtete, dass Integrationsschulungen mehr und mehr nachgefragt werde und sich für beide Schulungsabschnitte ca. 80 Personen angemeldet hätten. Für den ersten Schulungsabschnitt hätten sich  27 Personen angemeldet und teilgenommen, von denen 25 Personen die Ausbildung zum Integrationslotsen erfolgreich abgeschlossen hätten. Der zweite Schulungsabschnitt sei mit 55 Anmeldungen auf noch größeres Interesse gestoßen, so dass nur 45 Schulungsteilnehmer hätten zugelassen werden können. Die fertigen Integrationslotsen stünden nun den Flüchtigen bei Behördengängen, Wohnungssuche und der Integration in die Gesellschaft zur Seite. Das Bewusstsein in Deutschland und bei den Göttingern für ausländische Mitbürger, Flüchtlinge und Einwanderer habe sich eindeutig geändert. Daher halte Sandiraz auch den Weg der Teilnehmer und Teilnehmerinnen (Globetrotter-Azubis) für wichtig, Deutschland für kurze Zeit zu verlassen um andere Kulturen im Arbeitsbereich kennen zu lernen.

Göttinger Integrationsbeauftragter Isa Sandiraz; Bild (c) Andreas Vohl

Göttinger Integrationsbeauftragter Isa Sandiraz

Sibylle Meyer als Vorstand des GFT-Erasmus e.V. und Berufsschullehrerin für den Beruf zum Biologielaboranten an den BBS II Göttingen begrüßte die Ausbilderin Dr. Andrea Gessler vom Tiermedizinischen Institut der Universität Göttingen und sagte: „ohne Ausbilder, wie Frau Dr. Gessler, die Auszubildenden für fünf bis sechs Monate freistellen, wären ein Praktikum und Erfahrungen im Ausland während der Ausbildungszeit kaum möglich. Nicht nur Auszubildende müssen den Mut haben und das Interesse mitbringen ins Ausland gehen und dort arbeiten zu wollen, auch Ausbilder müssen sie bei weiterer Bezahlung freistellen und vom Mehrwert des Praktikums überzeugt sein. Wie wir im Fall der drei jetzt jungen Berufseinsteiger Luisa Bierwirth, Maren Müller und Johanna Heine gleich sehen werden.“

von l. Sibylle Meyer und Frau Dr. Gessler vom Tierärztlichen Institut Göttingen

von l.: Sibylle Meyer (BBS II) und Dr. A. Gessler (Tierärztliches Institut); Bild (c) Andreas Vohl

Andrea Gessler sagte dazu: „ohne Frau Meyer, die den Förderantrag bei der EU gestellt hat, das interkulturelle Training durchgeführt und mit den Auszubildenden die ganzen Anträge ausgefüllt hat, wäre ein solches Praktikum für unsere Auszubildenden kaum möglich gewesen. Es wird absolut unterschätzt, wie viel Papierkram für eine EU-Förderung anfällt. Daher hoffen wir, dass Frau Meyer mit ihrem neuen Antrag wieder Erfolg haben wird, da wir auch in diesem Jahr gerne die nächten Auszubildenden ins Ausland entsenden möchten.“  

Da der GFT-Erasmus e.V. wegen dieser zehn Globetrotter-Azubis gegründet wurde, begrüßte Sibylle Meyer zu dieser Verleihung Erika Einecke als Mitglied des Vorstandes und ebenfalls Gründungsmitglied. Viele Personen sind aktiv am Gelingen des Projektes „Education Train“ beteiligt.

v l Maren Müller Sibylle Meyer Erika Einecke Johanna und Luisa

v. l.: Maren Müller, Sibylle Meyer, Erika Einecke, Johanna Heine und Luisa Bierwirth; Bild (c) Andreas Vohl

Erika Einecke, ebenfalls Vorstandmitglied vom GFT-Erasmus e.V. betonte in Ihrer Ansprache: „Es ist enorm wichtig, Auszubildende interkulturell zu fördern. Daher war die Gründung dieses Vereins für mich eine Selbstverständlichkeit. Diese jungen Auszubildenden sind so engagiert, das man sie einfach unterstützen muss. Ich halte es für eine riesen Chance für junge Berufseinsteiger, schon während der Ausbildung die  Arbeitswelt im europäischen Ausland auf diese Weise  kennen zu lernen. Nur so kann Europa zusammenwachsen, wenn junge Menschen den Mut finden ins Ausland zu gehen um dort Kontakte und auch Freundschaften zu schließen.“

Danach präsentierten die Biologielaboranten – Luisa Bierwirth, Maren Müller und Johanna Heine – ihren Aufenthalt und ihr Praktikum in Umeå/Schweden. Jede stellte zunächst ihren Arbeitsplatz und dessen internationalem Team aus Kenia, Ägypten und Indien vor.

v l Luisa Bierwirth Johanna Heine Maren Müller

v. l.: Luisa Bierwirth, Johanna Heine, Maren Müller; Bild (c) Andreas Vohl

Maren stellte die Erfahrungen im Praktikumsbetrieb vor. Alle Praktikanten wurden sofort integriert und in guter Arbeitsatmosphäre führte jeder eigenständig sein Projekt durch. Luisa stellte die Besonderheiten der schwedischen Arbeitswelt vor und führte aus, “dass das Arbeiten in Schweden viel stressfreier ist als in Deutschland. Es werden viel mehr Pausen gemacht und alles in einer besonderen Ruhe und Gelassenheit. Auch erwähnte sie, dass die schwedische Arbeitswelt viel familienfreundlicher ist als in Deutschland, während ein deutscher Student oder Doktorand zunächst an seine Karriere denkt, haben schwedische Doktoranden mehr Gelassenheit und bekommen in dieser Phase ihre Kinder, die in den Klinikkindergärten schon ab dem 1. Lebensjahr betreut werden. „Dies ist in Deutschland undenkbar“, so Luisa. „Allerdings war die Kontaktaufnahme zu Einheimischen schwieriger, da sie im Studentenwohnheim wohnten und dort so gut wie kein Schwede untergebracht war.“

Als Fazit sagten Maren, Johanna und Luisa, dass sich der Aufenthalt in jedem Fall gelohnt habe und richtig gewesen sei. Alle drei Absolventinnen haben, unter anderem wegen des Praktikums, sofort eine Festeinstellung bekommen. Bei jedem Bewerbungsgespräch sei das Praktikum zur Sprache gekommen. Das Praktikum sei von allen neuen Arbeitgebern als interessant und wichtig angesehen worden. Des Weiteren hätten alle drei ihre Sprachkenntnisse in Englisch verbessern, ihre Qualifikationen und Fähigkeiten weiter ausbauen und sich durch das Praktikum von anderen Bewerbern abheben können. Jede habe neue Verfahrenstechniken gelernt, die ihnen jetzt zu Gute kämen. Als Tipp nannte Luisa „sich selbst um eine Wohnmöglichkeit zu kümmern und besser in eine WG zu ziehen als ins Studentenwohnheim, da so der Kontakt zu Einheimischen und Gleichaltrigen besser wäre.“

Danach stellten die fünf GTA-Schüler und Schülerinnen (zweijährige Berufsfachschule zum Gestaltungstechnischen Assistenten)  ihren Aufenthalt und Erfahrungen in Norwegen vor.

 

von l. Kai C., Jennifer L., Jan S. und Jonas F. Alina ist nicht zu sehen

von l. Kai C., Jennifer L., Jan S. und Jonas F. Alina ist nicht zu sehen; Bild (c) Andreas Vohl

12:50 Uhr wurde den Teilnehmerinnen und Teilnehmern durch Sibylle Meyer und dem Klassenlehrer der GTA-Schülerinnen und Schüler Andreas Vohl die Mobilitätspasse überreicht.

Der Europass Mobilitätsnachweis

Der Mobilitätspass besteht aus vier Seiten. Neben der Dauer und Art des Aufenthalts werden sehr ausführlich die erworbenen Kompetenzen während des Aufenthalts dokumentiert. Das Zeugnis wird vom Praktikanten, Entsender (Verein GFT-Erasmus e.V) und Empfänger (Praktikumsbetrieb und Mentor) unterschrieben.

Das Zeugnis für ein Auslandspraktikum besteht aus einer Mappe und vier Seiten Text unterschrieben von allen Beteiligten.

Das Zeugnis für ein Auslandspraktikum besteht aus einer Mappe und vier Seiten Text unterschrieben von allen Beteiligten. Bild (c) Sibylle Meyer

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Der Education-Train der EU-Staaten verbindet!

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